Spielbericht vom 23. März 2019: Ein emotionales Volleyballfest zum Saisonausklang

Dass man in Germersheim weiß, wie man größere Volleyballevents organisiert, ist schon lange bekannt. Was aber am letzten Samstag in der Sporthalle der Geschwister-Scholl-Schule beim Champions Day der beiden Landesliga-Teams passierte, war an Emotionen und großartigem Volleyballsport nicht zu überbieten. Der Tag hatte alles zu bieten, von Leidenschaft über Tränen der Enttäuschung bis hin zu frenetischem Jubel. Es war eine Werbung für den tollen Volleyballsport in der Region. Am Ende standen eine Meisterschaft und eine Vize-Meisterschaft zu Buche.

Gekämpft und doch verloren

Den Auftakt bildeten die Damen der Turnerschaft. Im direkten Duell gegen den TSV Speyer musste die Titelentscheidung vor einer rekordverdächtigen Kulisse fallen. Bereits am frühen Nachmittag hatten über 200 Fans den Weg in die Halle gefunden. Diese sorgten schon direkt zu Spielbeginn für eine Gänsehautstimmung. Die Gäste legten zu Beginn los wie die Feuerwehr und zeigten deutlich, dass sie den Titel holen wollten. Germersheim musste sich an diesen Druck erst gewöhnen und fand schwer ins Spiel. Trainerin Karin Träber musste früh die erste Auszeit nehmen (1:6). Speyer hatte vor allem im Angriff über die Mitte klare Größenvorteile und nutzte diese gnadenlos bei einfachen Angriffschancen aus. Über 13:6 erspielte man sich bis zur Satzmitte eine komfortable 15:10-Führung. Germersheim fand dann aber besser ins Spiel und kam vor allem über die Leidenschaft zurück ins Spiel. Mit lautstarken Fans im Rücken kam man zum 16:16-Ausgleich. Hier hätte der Satz kippen können. Die Gäste blieben aber ruhig, auch dank der größeren Routine im Kader. In der Defensive wurden viele Bälle auf beiden Seiten spektakulär gerettet, wobei die Gäste einen Tick besser waren und sich den Satz mit 25:21 holten. Der 2. Satz war ergebnismäßig ein Spiegelbild des 1. Durchgangs. Germersheim kämpfte leidenschaftlich um jeden Ball, konnte sich aber der gegnerischen Lufthoheit im Mittelangriff zu selten erwehren. Der einzige Unterschied zum 1. Satz lag darin, dass die Gäste ihren Vorsprung nach der 1. Germersheimer Auszeit (1:5) konstanter verwalten konnten. Nach dem 0:2-Rückstand gaben die Germersheimer Spielerinnen niemals auf und boten Speyer im 3. Satz lange Paroli. Die beiden Fanlager peitschten die Teams immer voran zu tollen Ballwechseln. Beide Teams zeigten in dieser Phase, dass sie zurecht den Titel unter sich ausmachten. Bis zur Satzmitte war alles ziemlich ausgeglichen, dann zog Speyer die Zügel an und erspielte sich den entscheidenden Vorteil. Nach drei leidenschaftlichen Sätzen feierten die Gäste den verdienten Titel mit einem 3:0 (25:21, 25:21, 25:22).

Auch wenn die Germersheimerinnen verständlicherweise danach die ein oder andere Träne der Enttäuschung verdrückten, zeigten sie danach erhobenen Hauptes eine tolle Reaktion im Spiel gegen Vallendar. Man merkte schnell, dass sie die Fans mit einem Sieg für ihre tolle Unterstützung belohnen wollten. Die Stimmung auf dem Feld wirkte deutlich entspannter. Teilweise war das Team so gelöst, dass man zu den Musikeinspielern zwischen den Ballwechseln tanzte. Diese positive Stimmung trieb das Team zu einem verdienten 3:1-Erfolg (25:21, 21:25, 25:17, 25:18). Danach wurde gemeinsam mit den Fans gefeiert und bereits der Fokus auf die Relegation am 6./7. April (im Saarland) und am 13./14. April (Rückspiel in Germersheim) gelegt.

Am Ende des Tages bedankten sich die Damen bei den Fans für eine fantastische Unterstützung

Der emotionale Höhepunkt am Abend

Im Anschluss an die Spiele der Damen folgte der nächste Titelkampf bei den Herren. Es war also alles vorbereitet für ein weiteres tolles Spiel im Duell zwischen den Germersheimer Herren und der SG Kaiserslautern-Enkenbach. Die Fans brachten sich frühzeitig in Stimmung und feuerten die Gastgeber lautstark an. Trainer Gerald Kessing konnte bis auf den verletzten Mittelblocker Constantin Garen den kompletten Kader aufbieten, unterstützt durch Stanislaw Li von der 2. Mannschaft. Beflügelt von der tollen Stimmung legten die Gastgeber los wie die Feuerwehr. Jegliche noch so mögliche Nervosität hatte das Team vom ersten Punkt an abgelegt und zog den Gästen von Beginn an die Hoffnung auf die kleine Meisterchance. Mit druckvollen Aufschlägen, krachenden Angriffen und starkem Blockspiel wurde die SG stetig unter Druck gesetzt. Bei einer 15:6-Führung zur Satzmitte war die Messe zu Gunsten der Gastgeber in Durchgang 1 bereits gelesen. Der Satzrückstand setzte die Gäste also schon früh unter Druck, denn nur ein 3:0- oder 3:1-Erfolg hätte ihnen die Titelchance erhalten. Dass Germersheim dies nicht zulassen würde, war aber auch im 2. Satz früh zu spüren. Zwar war der Durchgang länger ausgeglichen, aber spätestens die 6-Punkte-Serie vom 18:15 zur 24:15-Führung sorgte für klare Verhältnisse. Mancher Fan sprach sogar von einem Klassenunterschied zwischen beiden Teams. Den 2. Satzball verwandelte Simon Röhrich mit einem krachenden Diagonalangriff zur 2:0-Satzführung (25:16). Mit diesem Punkt und dem vollbrachten Titelgewinn brachen dann bei Team und Fans alle Dämme. In der Satzpause wurde viel gejubelt und die Musikanlage gab „We are the Champions“ zum Besten. Wer nun gedacht hätte, dass man nachlässt, der sollte sich getäuscht sehen. Mit einer weiterhin konzentrierten Leistung holte man auch Durchgang 3 mit 25:16. Mit einer lang anhaltenden Jubelarie „Wer nicht hüpft, der ist kein Meister, hey hey“ und einem „Humba Humba Täterä“ wurde gemeinsam mit den Fans die Party eingeläutet.

Erster Teil der Party war dann das 2. Spiel gegen die SG Südpfalz. Trainer Kessing nutzte die Option seine taktische Aufstellung zu verändern. So gab Libero Kevin Peter sein Trikot an Arthur Eisen ab und agierte als Außenangreifer. Die SG Südpfalz zeigte von Beginn an eine durchaus engagierte Leistung, denn nur ein Sieg hätte sie vor dem Abstieg gerettet. Doch trotz veränderter Aufstellung wollte sich Germersheim nicht die Blöße geben, das letzte Spiel als Meister zu verlieren. Am Ende stand mit dem 3:1 (23:25, 25:13, 25:19, 26:24) der 14. Saisonerfolg zu Buche. Gemeinsam mit zahlreichen Fans wurde danach ordentlich gefeiert. Als Meister steigt das Team nun direkt in die Oberliga auf. Da das Durchschnittsalter des Teams noch recht jung ist, darf man sich berechtigte Hoffnungen auf eine positive Weiterentwicklung in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse machen.

Der Jubel von Team, Trainer und Vereinsverantwortlichen kannte nach der Meisterschaft fast keine Grenzen