20-jährige Triathletin der Turnerschaft 1863 Germersheim unter den Besten beim weltweit ersten Backyardman Ultra Triathlon in Zellingen
Eine Woche nach der erfolgreichen Verteidigung ihres Rheinland-Pfalz-Meister-Titels im Sprinttriathlon hat sich Helene Heinrich, die für die Turnerschaft Germersheim startet, auf ein vollkommen neues, weltweit einzigartiges Triathlon-Abenteuer gewagt:
die Premiere des Backyardman Ultra Triathlon in Zellingen bei Würzburg.
500 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen innerhalb von 2 Stunden, und das 16 Mal hintereinander – das hat Triathletin Helene Heinrich am letzten Wochenende geschafft und damit ihr Ziel von 12 Wiederholungen deutlich überboten.
Was heißt Backyard?
Einfach gesagt, es geht darum, eine bestimmte Distanz innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne zu absolvieren. Wenn man die Runde innerhalb der Zeit schafft, beginnt nach Ablauf eine neue – so lange, bis nur noch eine Person übrig ist.
In Zellingen bedeutete dies einen Neustart zu jeder zweiten vollen Stunde, egal ob Tag oder Nacht. Je schneller die Runde absolviert wurde, desto mehr Zeit blieb für Nahrungsaufnahme und Regeneration.
Bisher war Backyard ein Format für Laufveranstaltungen. Das faszinierte Helene schon eine ganze Weile. Als die Triathletin, die seit ihrem siebten Lebensjahr für diesen Sport brennt, davon Wind bekam, dass es dieses Konzept nun auch für den Triathlon geben würde, war die Bewerbung schnell abgeschickt.
Kaum war mit einem Bewerbungsvideo der Platz an der Startlinie gesichert, begannen die Vorbereitungen.
Und schnell war es soweit:
Am Freitag, dem 18.09.2026, ging es in aller Frühe los auf die gut zwei Auto-Stunden nach Zellingen, im Gepäck allerlei Sportklamotten, Verpflegung, und als Helferteam war die gesamte Familie dabei.
Im dortigen Freibad wurde der Pavillon aufgebaut. Dieser stellte für die nächsten 32 Stunden Wechselzone, Kochstelle und Rückzugsort für die Zeit bis zum nächsten Start in einem dar.
Kurz vor zwölf am Mittag wurde es dann richtig ernst. Die Startmusik – extra fürs Event erstellt – begann, und die 41 Teilnehmenden versammelten sich am Beckenrand – darunter 7 Frauen und 34 Männer. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, wie das Geschlechterverhältnis in den Top 10 wohl am Ende aussehen würde.
3, 2, 1, plitsch platsch in das eiskalte Wasser, und nachdem die 20 Bahnen im 50-Meter Becken absolviert waren, folgte direkt die inoffizielle zweite Disziplin – die Wechselzone.
Das Ausziehen des wärmenden Neoprenanzuges und Reinquetschen in enge Radkleidung stellt eine Herausforderung in sich dar.
Aber weiter zur offiziellen zweiten Disziplin, nämlich den 20 Kilometern auf dem Rennrad am Main entlang.
Der enge Weg konnte leider nicht abgesperrt werden, so dass trotz Zeitdruck im Nacken Rücksicht auf den Alltagsverkehr genommen werden musste.
…..zurück ins Freibad, Rad abstellen, Helm aus, Radschuhe aus, Laufschuhe an, blitzschnell war man wieder auf der selben Strecke, nur diesmal zu Fuß. 5 Kilometer trennten die AthletInnen noch von ihrer wohlverdienten Pause.
Helene durchquerte den Zielbogen nach 1:30:12 h zum ersten Mal. Die erkämpften restlichen 30 Minuten bis zum nächsten Sprung ins kalte Wasser konnte sie somit zur Regeneration und Verpflegung nutzen.
Und die Helfercrew?
Die hatte fast noch mehr zu tun als die Athletin selbst.
Badekappe und Schwimmbrille mussten abgenommen, das Zeitfahrrad bereitgestellt, die Trinkflasche aufgefüllt und die Laufschuhe gepudert werden. Das zwischenzeitliche Anfeuern und die wilden Zurufe nicht zu vergessen. Und das Essen kochte sich leider auch nicht von selbst.
Gut, dass am Abend des ersten Tages neben den Eltern und der Schwester noch 2 weitere Helfer anreisten – die beste Freundin Chiara und der große Bruder.
So konnte das „Luxushotel“ im Pavillon für Helene rund um die Uhr geöffnet bleiben.
Und schon ging es wieder von vorne los, also weitere Starts um 14 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr usw. Die Runden nahmen zu und die Zahl der Teilnehmenden ab, während die Temperaturen sanken und die Nacht langsam anbrach. Mit der Dunkelheit kamen neue Herausforderungen dazu, angefangen bei unbeleuchteten Passanten mitten auf der Radstrecke bis hin zur allmählichen Müdigkeit.
Noch herausfordernder als die Nacht war die Dämmerung am frühen kühlfeuchten Morgen. Doch nach ein paar Pommes am Schwimmstart und einem kurzen Aufenthalt im vom Veranstalter bereit gestellten Saunafass zum Aufwärmen vor dem Radfahren war dieser Tiefpunkt schnell überwunden. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam direkt frische Energie, und der zweite Tag fühlte sich genauso locker an wie der erste.
Nach 16 Runden und 32 Stunden waren 8 km Schwimmen, 320 km Radfahren und 80 km Laufen bewältigt und somit fast 2 komplette Langdistanzen à la Ironman vollendet.
Eine reife Leistung entschied die junge Triathletin kurz vor Anbruch der zweiten Nacht und ging zur Glocke. Dadurch nahm der Wettkampf für sie in den Top Ten und als vierte Frau ein Ende.
„Doppelte Langdistanz, das reicht; allmählich spüre ich etwas im Schienbein und möchte nicht eine Überbelastung riskieren und wieder das Training pausieren müssen wie vor sechs Wochen.“.
Übrig blieben noch 3 Frauen und 6 Männer, von denen ab Runde 22 alleine Jess Ittner und Hanna Schramm bis zum Ende kämpften und sich nach 33 Runden den Sieg teilten; wer hätte das anfangs geglaubt …..
Und nun, ein paar Tage später, erwischen wir uns immer noch dabei, wie wir die Backyard-Musik vor uns hinsummen, und wir fragen uns kopfschüttelnd, was für eine vollkommen verrückte Sache wir da miterlebt haben.
Und Helene?
Der geht es besser als der ganzen Crew; sie überlegt zu deren Entsetzen schon, was für einen Start im nächsten Jahr verbessert werden sollte.
(Text: Cornelia Heinrich)


